Intersektionalität und Gender Studies in Lateinamerika

Von Martha Isabel Zapata Galindo
Themen: Intersektionalität; Wissenszirkulation
Eingereicht am 28.10.2011
Angenommen am 04.10.2012
Veröffentlicht am 18.02.2013

Abstract: In Lateinamerika existiert bis heute keine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Intersektionalitätskonzept, und es gibt wenig Interesse an der in den internationalen Kreisen der Gender Studies mittlerweile globalen Rezeption des Themas. Wie ist zu erklären, dass in Lateinamerika trotz der ansonsten intensiven Zirkulation internationaler Paradigmen und Ideen gerade dieses Konzept nicht diskutiert wird? Um sich einer Antwort auf diese Frage anzunähern, wird im Folgenden untersucht, auf welche Art und Weise bestimmte Konzepte durch ihre globale Zirkulation einen hegemonialen Charakter angenommen haben. Auf dieser Grundlage wird versucht zu klären, warum einige Konzepte eine grundlegende referentielle Bedeutung für Debatten diverser Kontexte bekommen haben und andere gänzlich außen vor bleiben.

1 Warum das Intersektionalitätskonzept in der feministischen akademischen Auseinandersetzung nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa momentan einen so hohen Stellenwert genießt, ist nicht ganz einfach zu erklären. Cathy Davis hat dieses Phänomen aus wissenschaftssoziologischer Perspektive untersucht und ist hierbei zu dem Schluss gekommen, dass, auch wenn das Konzept vage und offen scheinen mag, sein Erfolg gerade hierauf beruht. „[Its success] can be explained by the paradox that its so-called weakness are what have allowed it to become so successful in the first place. […] the concept’s very lack of precision and its myriad missing pieces are what have made it such a useful heuristic device for critical feminist theory“ (Davis 2008: 78). Genau diese Vagheit also erlaubt es laut Davis, Übersetzungen anzufertigen und das Konzept in verschiedene Kontexte zu übertragen. Diese Vagheit eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, Diskussionen voranzutreiben und eine neue Wissensproduktion zu vereinfachen.

2 Auch wenn diejenigen, die im europäischen Kontext an der Debatte teilhaben, in einem gemeinsamen wissenschaftlichen Feld agieren, sind die nationalen Unterschiede deutlich zu erkennen. Lutz, Herrera Vivar und Supik beispielsweise erklären, die Auseinandersetzung mit dem Konzept habe sich in den Ländern Europas, die sich in wissenschaftlichen Diskussionen überwiegend in der englischen Sprache bewegen, weitaus schneller entwickelt. Diese Debatten waren jeweils von den national spezifischen sozialen Kontexten geprägt.

3 Die Wissenschaftler_innen, die sich an dieser europäischen Debatte beteiligen, sind darüber hinaus in unterschiedlichen theoretisch-methodologischen Richtungen verortet, besetzen unterschiedliche Positionen im sozialen Raum und teilen nicht unbedingt dieselben politischen Überzeugungen (vgl. Lutz et al 2011: 13). Die Autorinnen beobachten weiterhin einen beträchtlichen Unterschied in der Konzeptualisierung der Intersektionalität, je nachdem, ob diese aus einer akademischen Perspektive oder von Seiten sozialer Bewegungen oder auch transnationaler Organisationen erfolge.

4 Im Unterschied zu den Entwicklungen in der nördlichen Hemisphäre hat das Intersektionalitätskonzept im lateinamerikanischen Raum weder eine hegemoniale Position wie im angelsächsichen Raum, noch die Wichtigkeit als Referenzkonzept wie in anderen europäischen Ländern[1] eingenommen. Veröffentlichungen aus dem lateinamerikanischen Raum, die Intersektionalität thematisieren oder den Begriff gar in ihrem Titel nennen, sind rar.[2] Zudem existieren keine relevanten Debatten zur theoretisch-methodologischen Dimension des Konzeptes. Die Inhaltsverzeichnisse der wichtigsten lateinamerikanischen Zeitschriften zu Gender Studies, wie „Cadernos Pagu“, das 1993 gegründete, halbjährlich erscheinende Magazin des Kernbereiches Gender Studies der staatlichen Universität Campinas in Brasilien sowie die mexikanische „Debate Feminista“, seit 1990 herausgegeben und geleitet durch Marta Lamas, spiegeln den Grad des Interesses am Thema in der lateinamerikanischen Wissenschaftslandschaft deutlich wider: Keine der beiden Zeitschriften hat dem Thema auch nur einen Artikel, geschweige denn ganze Ausgaben gewidmet. Dabei sind die Beziehungen beider Zeitschriften zu den Gender Studies an anderen Institutionen auf internationalem Niveau stark ausgeprägt und werden deutlich durch Übersetzungen von theoretischen Artikeln der beiden Zeitschriften, die auf internationalem Niveau in feministischen Kreisen zirkulieren.[3]

5 Auch bei der Analyse aller zwölf Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen,[4] die seit 1981 in unterschiedlichen Ländern in der Region stattfanden und bei denen jeweils die wichtigsten Themen des lateinamerikanischen Feminismus besprochen werden, lässt sich feststellen, dass das Konzept der Intersektionalität hierbei nie eine aktive Rolle gespielt hat. Überhaupt wird das Konzept nur ein einziges Mal erwähnt: In den ethisch-politischen Prinzipien der Methodologie für das zwölfte Treffen, das im November 2011 in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá stattgefunden hat. Neben der Anerkennung des situativen Charakters von Wissen, der Ausrichtung des vorherrschenden Feminismuskonzeptes auf die Initiierung eines politischen Wandels, fand auch die Intersektionalität, unter anderem in Zusammenhang mit der Wertschätzung von Diversität und Differenz, Einzug in die Konzeptionalisierung und es entspann sich bei dem Treffen eine Diskussion zum Begriff[5] (vgl. Lineamientos, ohne Jahr: 2).

6 Wie können wir uns also erklären, dass bis heute in Lateinamerika keine tiefgreifende Auseinandersetzung über das Intersektionalitätskonzept existiert oder zumindest ein gewisses Interesse am Thema besteht, das der mittlerweile globalen Rezeption in den Gender Studies zukommen könnte, obwohl eine Zirkulation[6] und ein intensiver Austausch über Konzepte, Paradigmen und Ideen innerhalb der Gender Studies mit den USA und anderen Ländern[7] durchaus stattfindet? Es scheint, als gehörte das Intersektionalitätskonzept in Lateinamerika nicht in die Reihe der von Davis (2008: 67) erläuterten „erfolgreichen Geschichte der Feminismen“.

7 Um sich einer Antwort auf die oben gestellte Frage anzunähern, werde ich im Folgenden diskutieren, auf welche Art und Weise bestimmte Konzepte durch ihre globale Zirkulation einen hegemonialen Charakter angenommen haben. Hierbei ist zunächst zu klären, warum einige Konzepte zu grundlegenden Referenzen werden für Debatten, die in unterschiedlichen Kontexten stattfinden und andere gänzlich außen vor bleiben.

8 Im Rahmen der Wissenszirkulation von Norden nach Süden habe ich den Erfolg oder eher Misserfolg der Zirkulation des Intersektionalitätskonzeptes in den lateinamerikanischen Gender Studies untersucht. Zudem habe ich versucht zu ergründen, ob das Konzept in Projekten zur Implementierung von Gender Mainstreaming auf dem Kontinent seine Spuren hinterlassen hat. Ich habe mich bewusst für die Analyse dieses Konzeptes entschieden, nicht nur aufgrund seiner Aktualität,[8] sondern auch aus dem Interesse heraus nachzuvollziehen, ob der Begriff einen gewissen Eingang in die konzeptionellen Debatten des lateinamerikanischen Feminismus gefunden hat und ob es eine Rolle bei der Gestaltung von Vorschlägen zur Transversalisierung des Genderkonzeptes gespielt hat, die in den letzten Jahren vorangetrieben wurde.

9 Es handelt sich hierbei um eine noch nicht endgültig abgeschlossene Forschung. Ich entwerfe daher nur die Skizze einer Kartographie derjenigen Konzepte im lateinamerikanischen Raum, die sich auf Problematiken beziehen, die auch das Intersektionalitätsparadigma thematisieren. Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich darauf hinweisen, dass diese Konzepte niemals als bedeutungsgleich mit dem Intersektionalitätsparadigma interpretiert werden dürfen. Vielmehr handelt es sich um sehr unterschiedliche Perspektiven, sich einem theoretisch-methodologischen Problem zu nähern. Der Begriff Intersektionalität bezieht sich nicht nur auf das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Ebenen und Modalitäten sozialer Beziehungen, sondern ebenso auf Subjektivitätskonstruktionen. Als Teil der Dekonstruktion der Kategorie Gender analysiert das Konzept unterschiedliche Formen der Unterdrückung sowie diverse Dimensionen sozialer Ungleichheit.

10 Bevor ich also im Weiteren die Wissenszirkulation innerhalb der lateinamerikanischen Geschlechterforschung darstelle, möchte ich einige Grundlagen für eine solche Analyse mit Hilfe einer global-politischen Epistemologie beleuchten. So werde ich zunächst einen historischen Abriss über das Intersektionalitätskonzept vornehmen, um Bedeutungsverschiebungen von den Ländern des Globalen Nordens zu denjenigen des Globalen Südens abbilden zu können, um anschließend die Wichtigkeit des Begriffes innerhalb der Feminismusdebatte in Lateinamerika zu fokussieren. Es folgen einige Anmerkungen zur Anwendung des Konzeptes in Gender-Mainstreaming-Projekten. Abschließend werde ich einige Thesen zur Wissenszirkulation sowie zur Internationalisierung innerhalb der Geschlechterforschung aufstellen.

1. Politische Epistemologie und Wissenszirkulation

11 Bereits seit längerer Zeit hat das Thema Wissenszirkulation im Kontext der Globalisierung große Relevanz in der Forschung. In den Sozial- und Geisteswissenschaften existieren bereits diverse theoretische Annäherungen wie beispielsweise die „Wissensgeographie“ (Agnew 2006), „Traveling Cultures“ (Said 1978, Clifford 1997), „Geteilte Geschichten“ (Conrad & Randeria 2002), „Hybridisierung“ (García Canclini 1989), „Black Atlantic“ (Gilroy 1993), „Kreolisierung“ (Glissant 1996), „kulturelle Mobilität“ (Greenblatt 2010, Sheller 2003, Urry 2007, 2010), „Geopolitik des Wissens“ (Mignolo 2000) und „Connected History“ (Subrahmanyam 1997) – um nur einige der wichtigsten aufzuzählen. Alle versuchen zu erklären, auf welche Art und Weise und an welchen Orten Wissen produziert und auch konsumiert wird. Zudem veranschaulichen sie die Schnittstellen lokalen und regionalen sowie lokalen und überregionalen oder auch globalen Wissens sowie die Prozesse mit Hilfe derer lokales Wissen globalisiert wird. Ebenfalls im Fokus der Analysen sind die Wege und Routen, auf denen dieses zirkuliert und die Veränderungen in der Konzeptionalisierung, die mit dieser ‚Bewegung‘ von einem Ort zum anderen einhergehen. All diese Fragestellungen analysieren die verschiedenen Aspekte der Zusammensetzung und Neuordnung der verschiedenen Formen des Wissens in sozialen und geopolitischen Transformationsprozessen in den letzten Jahren. Mit Hilfe dieser ist es also möglich, Analyseinstrumente zu entwickeln, die sowohl historische als auch aktuelle Entwicklungen aus einem anderen Blickwinkel betrachten und neue Erkenntnisse ermöglichen.

12 Einige der Vorannahmen mit denen in der Untersuchung der Wissenszirkulation innerhalb der Geschlechterforschung gearbeitet wird, wurden bereits an anderer Stelle hinlänglich ausgeführt (vgl. Lettow/Zapata Galindo 2011: 25–48). Aus diesem Grund werde ich an dieser Stelle nur einige wichtige Aspekte kurz hervorheben. Im Besonderen möchte ich daran erinnern, dass Wissenproduzent_innen immer in einem konkreten Kontext zu verorten sind, der die Art und Weise der jeweiligen Wissensproduktion und -rezeption stark beeinflusst und strukturiert. Auch das von uns als global und hegemonial angesehene Wissen ist lokal kontextualisierbar und steht stets in Zusammenhang mit anderem lokal kontextualisiertem Wissen an einer Vielzahl weiterer Orte und Räume, durch spezifische Konfiguration kann daraus ein Wissensnetzwerk entstehen. Um sich also dem Phänomen der Wissenszirkulation anzunähern, muss von einer Geopolitik des Wissens ausgegangen werden. Hierbei muss die Restrukturierung von Räumen aufgrund unterschiedlich spezifischer global verorteter Machtstrukturen berücksichtigt werden. Ebenso muss aber auch die Art, wie sich lokales und globales Wissen im Rahmen existenter Ungleichheiten immer wieder verbindet, im Fokus der Forschung stehen.

13 Die Analyse der Verbindungen, Widersprüche und Konflikte in der Aneignung von Wissen, die auch von Asymmetrien geprägte Ambivalenzen in der Geschichte des Austausches von Wissen aufzeigen kann, basiert auf einer historischen Epistemologie, die von Autoren wie Gaston Bachelard, Georges Canguilhem und Michel Foucault geprägt wurde. Diese konnten Wissen nicht losgelöst von seinen Praktiken, seiner historischen Zirkulationen, seinen Institutionen, Subjektivitäten sowie materiellen Produktionsbedingungen verstehen. Gemäß dieser Tradition benutze ich das Konzept des Erkenntnishindernisses (obstacle épistémologique) sowie der epistemologischen Metapher, das auf den Ideen von Bachelard, Bono und Certeau basiert (vgl. Lettow/Zapata Galindo 2011: 35–36).

14 Wenn also Bedingungen von Wissenszirkulation diskutiert werden, müssen Fragen in Hinblick auf Hindernisse (Bachelard 2000: 15) gestellt werden. Es liegt im Akt des Wissens selbst, dass eine Reihe von ‚Verwirrungen‘ auftaucht, die – positiv verstanden – die unterschiedlichen Übersetzungen der Konzepte beeinflussen, wenn sie aus ihren globalen Kontexten in lokale Zusammenhänge überführt werden.

15 Laut Bachelard wird Wissen konstruiert, indem erworbenes Wissen modifiziert oder das Wissen transformiert wird, welches er als epistemologisches Hindernis bezeichnet. Diese Hindernisse führen oft zu Verallgemeinerungen, entweder wenn wir die Position, von der aus sie geäußert werden, nicht hinterfragen können oder aber wenn wir neue Erfahrungen machen, die in unseren spezifischen Wissenskanon (noch) nicht einzuordnen sind. Bachelard interessierte sich in diesem Zusammenhang vor allem für diejenigen Hindernisse, die aus einer unbewussten Position entstanden und gleichzeitig eng mit alltäglichen, lokalen Gegebenheiten verbunden waren.

16 In seinen Studien zur Geschichte der Wissenschaft stellt er dar, wie diese Hindernisse sich auf die Art der Wissenskonstruktion auswirken. So hob er die Wichtigkeit des ‚Ortes‘ der Wissensproduktion sowie der Beziehung zwischen den historischen materiellen Umständen und den kognitiven und emotionalen Dispositionen der Subjekte hervor. Im Gegensatz zu Bachelard, der davon ausging, dass die epistemologischen Hindernisse zur Ausbildung eines unreifen, fundamentlosen Wissens führen, gehen wir davon aus, dass auch diese Hindernisse eine produktive, innovative Funktion bei der Produktion von akademischem Wissen, insbesondere in den Sozial- und Geisteswissenschaften, besitzen können.

17 Das zirkulierende Wissen verändert sich ständig und durch jede Bewegung entsteht neues Wissen. Das Konzept der epistemologischen Metapher erlaubt es uns zu verstehen, wie Bedeutungsgrenzen verschwimmen oder überwunden werden und das Wissen sich wandelt: In dem Moment, in dem Metaphern starre Grenzen überwinden und scheinbar feste Bedeutungen transformieren, fungieren sie häufig als Elemente, die von Michel de Certeau als „Taktik der Schwachen“ bezeichnet wurden (vgl. Lettow/Zapata Galindo 2011: 36). Für Certeau versuchen diese Taktiken durch Konfrontation von hegemonial geprägten Bedeutungen mit subversiven Deutungsvariationen, Raum für neue Subjektpositionierungen und Praktiken zu öffnen. In diesen können etablierte „wahre“ Konzepte hinterfragt oder sogar zerstört werden. Diese ‚Taktiken‘ spielen auch in Übersetzungsprozessen eine große Rolle.

18 Wenn nun feministische Theorien übersetzt werden, gilt es laut Claudia de Lima Costa vor allem, die folgende Frage im Blick zu behalten: „By what means and through which institutionalities do feminist concepts/discourses/practices gain temporary (or even permanent) residence in different representational economies?“ (Costa 2006: 67). Die Wissenszirkulation zwischen unterschiedlichen linguistischen Kontexten verursacht hohe Kosten: Es bedarf eines Organisationapparates, der sich zum einen der kulturellen Übersetzung sowie ihrer Verbreitung widmet und zum anderen die Grundbedingungen herstellt, um mögliche Bedeutungswechsel in und Anpassungen an neue lokale Kontexte zu ermöglichen. Während Costa in diesem Kontext von „theory brokers“ (Costa 2006: 67) spricht, beschreiben wir dieses Phänomen als Relais (estaciones de relé) der Wissenszirkulation (vgl. Lettow/Zapata Galindo 2011: 25), wenn wir uns auf das akademische Feld und seine Institutionen, Verlage etc. beziehen. Costa fügt dieser Gruppe Stiftungen, gemeinnützige Organisationen, sowie feministische Nichtregierungsorganisationen und Basisbewegungen hinzu (vgl. Costa 2006: 68).

19 Die Wissensverschiebungen von einem Ort an den anderen sind also dynamisch und bergen dabei eine politische Dimension: „In the context of the Americas, in the interactions between Latina and Latin-American feminisms, the travels of discourses and practices encounter formidable roadblocks and migratory checkpoints when they attempt to cross borders. This is in part not only due to the existence of certain dominant and exclusionary institutional configurations, but also due to the fact that different historiographies have excluded subjects and subjectivities from both sides of the North-South divide“ (Costa 2006: 63). Diese politische Dimension ist ein produktiver Faktor bei der Aneignung globalen Wissens und auch bei der Produktion von alternativem Wissen, denn beide bewegen sich an den äußeren Rändern und Grenzen der hegemonialen Welt.

2. Das Intersektionalitätskonzept und die lateinamerikanischen Gender Studies

20 Warum betrachtet die lateinamerikanische akademische Forschung die Intersektionalität nicht als Schlüsselkonzept, um Phänomene, die sich aus den vorherrschenden Geschlechterverhältnissen ergeben, und die von feministischer Seite produzierten Ausgrenzungen zu erklären? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst die Debatte in Lateinamerika kartographieren und nachvollziehen, die sich um Problematiken, mit denen sich das Konzept Intersektionalität beschäftigt, entsponnen hat. Hierzu zählen zum Beispiel Ungleichheiten zwischen Frauen und unterschiedliche Exklusionen, die auch mit anderen Kategorien der Sozialanalyse untersucht werden können. Aus diesem Grund muss in Lateinamerika notwendigerweise unterschieden werden zwischen dem Intersektionalitätsparadigma und seinen Auswirkungen auf der einen und dem Intersektionalitätskonzept und seiner Anwendung auf der anderen Seite.

21 Diejenigen, die das Intersektionalitätskonzept anwenden, assoziieren es beispielsweise mit dem schwarzen Feminismus in den USA (Curiel 2002: 1–25, Jubb et.al. 2008), den dekonstruktivistischen Projekten, die sich aus der Aneignung eines poststrukturalistischen Denkansatzes speisen (Viveros Vigoya 2004: 170–194), den postkolonialen Debatten (Curiel 2007: 92–101, Suárez Navas 2008) oder den Diasporastudien (Curiel 2007: 92–101, Piscitelli 2008: 263–274). Hierbei existieren auch Ausnahmen wie im Fall von Claudia de Lima Costa, die das Intersektionalitätsprinzip mit der Chicana-Bewegung, und hier im Speziellen mit Gloria Anzaldúa, in Zusammenhang bringt (Costa 2005: 691–703). Lateinamerikanische Feminismen, die sich nicht auf das Konzept Intersektionalität beziehen, benutzen andere Kategorien, um Differenzen, Unterdrückungen und soziale Ungleichheiten zu beschreiben: Sie verweisen eher auf Überlappungen, Interdependenzen und Ungleichheiten etc. Um nachvollziehen zu können, wie in diesen Feminismen die Problemlage beschrieben wird, der sich das Intersektionalitätskonzept nähert, ist es notwendig, ihre Kontextbedingungen zu kennen und einzubeziehen: Ihre Räume und Positionen im sozialen Raum, die Art und Weise, wie sie Einfluss auf die lokale Politik nehmen und die Ausschlüsse und sozialen Ungleichheiten mit denen sie konfrontiert werden, denn „one cannot assume the same effect or constellation each time and, hence the investigation of the specific social, political and economic processes involved in each historical instance is important.“ (Yuval-Davis 2006: 200).

22 Mittels einer historisch-genealogischen Perspektive nähern wir uns zunächst den Erkenntnisprozessen, die die Grundlage für die Idee der Intersektionalität bilden. Es soll im Folgenden keine vollständige Revision aller zu diesem Thema diskutierten und zirkulierten Ideen erfolgen, die aus den Vereinigten Staaten nach Europa und in andere Kontinente gewandert sind. Diese Debatten sind hinlänglich bekannt.[9] Somit werden im Folgenden nur die Probleme diskutiert, die sich aus dem Narrativ zur Herkunft der Intersektionalitätsidee ergeben. Dieses wird hauptsächlich mit der Bewegung Schwarzer Frauen in den USA assoziiert, wobei viele andere feministische Bewegungen außen vor gelassen werden, die ebenfalls zur Bildung des Paradigmas beigetragen haben, das sich theoretisch der Konstruiertheit sozialer Beziehungen aufgrund verschiedener Differenzen und Ungleichheiten, die allesamt gleichzeitig verlaufen,[10] widmet. Zudem benutzen sie die Erfahrungen Schwarzer Frauen als „a theoretical wedge, designed to demonstrate the shortcoming of conventional feminist and anti-racist work“ (Nash 2008: 8). Ein solches Narrativ reduziert das Intersektionalitätskonzept[11] auf die Reflexion von individuellen Identitätsbildungskonzepten (Davis 2008: 9–20, Lutz et al. 2011: 3, McCall 2005: 1771, Nash 2008: 9, Yuval-Davis 2006: 194–196, Puar 2011, Soiland 2008) unabhängig davon, dass einige theoretische Feminist_innen versuchen, das Konzept zu erweitern, um es aus einer Perspektive der Sozialtheorie zur Anwendung zu bringen (Anderson 1996, McCall 2005: 1787, Yuval-Davis 2006: 198, Soiland 2011, Naples 2008, Klinger/Knapp 2008).

23 Das Intersektionalitätskonzept wird meistens mit der Bewegung Schwarzer Frauen assoziiert und verdeckt dadurch den Beitrag anderer feministischer Bewegungen wie beispielsweise diejenige der Chicanas, oder er wird auf eine bibliographische Angabe reduziert. Meist sind es die immer gleichen Namen, die in den Fußnoten auftauchen, wenn eine Verbindung von Women of Color und dem Intersektionalitätskonzept hergestellt wird: Norma Alarcón, Cherrie Moraga, Gloria Anzaldúa und Chela Sandoval (McCall 2005: 1779–1780, Puar 2011). So wird an mancher Stelle auch das Konzept Women of Color lediglich mit demjenigen der Schwarzen Frauen oder einem wie von Chandra Talpade Mohanty (1988, 2003)[12] aufgeworfenen postkolonialen, transnationalen Feminismus gleichgesetzt. Fast niemand nimmt sich die Zeit, zu untersuchen, welchen Einfluss die nicht-hegemonialen feministischen, linken Diskurse aus Migrations- und Diasporakontexten auf die Produktion des Intersektionalitätsparadigmas haben.

24 Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte darin zu finden sein, dass beispielsweise die Chicana-Feministinnen, aber auch andere nicht-hegemoniale Gruppierungen, bei ihren Reflexionen zum Thema dieses gar nicht mit dem Konzept der Intersektionalität in Verbindung brachten, sondern eigene, alternative Analysekategorien entwickelten. Verallgemeinerungen und vorschnelle Assoziationen führen dazu, dass eine Theoriebildung in Bezug auf soziale Phänomene, die von Seiten subalterner Positionen stattfindet, übersehen wird. Dies erlaubt uns jedoch, zu erkennen, wie epistemologische Hindernisse funktionieren können: Die jeweiligen lokalen Kategorien, die zur Theoriebildung herangezogen und als angemessen eingestuft werden, um soziale Phänomene analysieren und Wissen produzieren zu können, vernachlässigen andere Positionen der Sozialtheorie. Dies verhindert somit eine Distanzierung zur eigenen Position und damit die Hinterfragung dieser als Produkt der Positionierungen und Asymetrien, die den sozialen und epistemischen Raum prägen, in dem die Debatten über die Konzepte produziert werden und zirkulieren.

25 Benita Roth (2004) stellt in ihrer Untersuchung zu „schwarzen, Chicana und weißen“ Feminismen der 60er und 70er Jahre dar, welche Ausprägungen diese in unterschiedlichen Räumen angenommen haben. Jede dieser Bewegungen stand mit einer anderen ethnischen Gruppierung in Zusammenhang, jede von ihnen mit einem anderen gesellschaftlichen Status und einer bestimmten sozialen Klasse. Zudem gehörten sie zu verschiedenen politischen Bewegungen (zum Beispiel Menschenrechtsbewegung, Chicano-Bewegungen oder sozialistische Bewegungen) mit verschiedenen Zielen wie beispielweise Bürgerrechten etc. Diese diversen Ausrichtungen wirkten sich unmittelbar sowohl auf politische Entscheidungen als auch auf Organisations- und Aktivismusformen der Bewegungen aus. Roths Studie beteiligt sich damit an der Infragestellung einiger Mythen, die sich um die Narrative des Intersektionalitätskonzeptes ranken.

26 In einem ersten Schritt hinterfragt sie die Aussage, der Schwarze Feminismus wäre nur aufgrund des Rassismus innerhalb der weißen feministischen Bewegung entstanden: „this is an inaccurate conception that negates the agency of feminists of color“ (Roth 2004: 6). Schwarze Frauen nahmen nicht nur im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung großen Einfluss auf die Konstruktion des weißen Feminismus sondern alle drei Bewegungen beeinflussten sich gegenseitig: „Rather, feminists of color confronted white feminism’s blinders on matters of race and class, just as they confronted the neglect of gender inequality on the part of the movements from which they emerged“ (Roth 2004: 8).

27 Weiterhin zeigt sie auf, wie die Geschichtsschreibung der feministischen Bewegungen die historischen Momente der Entstehung der verschiedenen Bewegungen verfälscht. Es wird davon ausgegangen, dass der Weiße Feminismus vor allen anderen entstanden war, gefolgt vom Schwarzen und erst dananch der Chicano-Feminismus, der auch eine ethnische Komponente in die Debatte einbrachte. Laut Roth entstanden jedoch all diese Bewegungen gleichzeitig. Bereits im Jahr 1968 existierten gut strukturierte weiße und auch schwarze Frauengruppen. Auch wenn die erste Chicana-Konferenz erst im Jahr 1971 stattfand, so wurde bereits 1969 begonnen, diese zu organisieren (vgl. Roth 2004: 8, Blackwell 2008: 351–406). Allerdings erläutert Roth nicht, wie es dazu kam, dass die feministische Geschichtsschreibung die feministische Chicana-Bewegung nie als eine wichtige soziale Bewegung anerkannt hat.

28 Darüber hinaus bestätigt Roth die These, dass die Ursprünge des Intersektionalitätskonzeptes keineswegs nur in der Bewegung Schwarzer Frauen jener Zeit zu finden sind, sondern auch in der Bewegung der Chicana-Frauen und ihren eigenen theoretischen Einordnungen ihrer politischen Kämpfe: „Theory on the Intersectionality of oppressions was part of Black and Chicana feminist thinking from the start of their organizing“ (Roth 2004: 11). Da innerhalb dieser Bewegung die Intersektion unterschiedlicher Unterdrückungsmechanismen deutlich wurde, entwickelten sie selber eine Theorie, die auf den Widersprüchen beruhte, mit denen sie konfrontiert wurden (vgl. Moya 2001: 441–483). Während also der Schwarze Feminmismus darin verhaftet blieb, verzweigte Unterdrückungspraktiken zu untersuchen, erachteten die Chicana-Frauen ihre Situation nicht zwangsläufig aus ihrer Geschlechtsidentität resultierend, sondern suchten die Ursachen vielmehr auch in den ethnischen, nationalen sowie sprachlichen Unterschieden und Zugehörigkeiten zu einer bestimmten Klasse. Zu einem späteren Zeitpunkt entwickelte das Combahee River Collective gemeinsam mit einigen Chicana-Feministinnen eine radikale Kritik an Heterosexismus und Homophobie (vgl. Roth 2004: 13).

29 Ungeachtet der Tatsache, dass Verbindungen zwischen der Bewegung Schwarzer Frauen und der Bewegung der Chicana-Frauen existierten, wurde aus diesen Verbindungen keine gemeinsame Strategie entwickelt und bis Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre auch nicht die Notwendigkeit gesehen, politische Allianzen zwischen den verschiedenen Frauengruppierungen zu etablieren. Diese Epoche ist gut dokumentiert und gerät somit auch nicht in Vergessenheit (Moraga/Anzaldúa 1983: VI–VIII, Alarcón 2003: 404–413, Sandoval 1998: 352–370, Baca Zinn et.al. 1986: 290–303, Burnham 2001: 1–11).

30 Roth trägt dazu bei, die existenten Narrative zur Intersektionalität ins Wanken zu bringen und eröffnet uns gleichzeitig die Möglichkeit, neue und andere theoretische Positionierungen in Bezug auf eine Thematik, die fälschlicherweise bisher ausschließlich mit einem Paradigma und einem einzigen Konzept assoziiert wurde, wahr- und einzunehmen. Es besteht nun die Möglichkeit, eine genealogische Untersuchung der Idee von Intersektionalität vorzunehmen und diese mit anderen Konzepten in Beziehung zu setzen wie Bridging, Consciousness, Borderlands, Neplanta oder Theory in the Flesh,[13] die im Kontext anderer Theorien und von politischem Aktivismus entstanden sind. Es eröffnet sich uns so eine Vielfalt epistemologischer Metaphern, die die bestehenden Konzepte übersetzen oder transformieren, in dem auf die Taktik der Schwachen, der Subalternen zurückgegriffen wird. Die zentrale Frage mit der sich all diese Kategorien beschäftigen, kann wie folgt formuliert werden: Welche spezifischen Bedingungen führen zur Unterdrückung der Women of Color (vgl. Moraga 1983: o.S.).

31 Eine der Antworten lautet:

„A theory in the flesh means one where the physical realities of our lives – our skin color, the land or concrete we grew up on, our sexual longings – all fuse to create a politic born out of necessity. Here, we attempt to bridge the contradictions in our experience:
We are the colored in a white feminist movement.
We are the feminists among the people of our culture.
We are often the lesbians among the people of our culture.
We are often the lesbians among the straight.
We do this bridging by naming ourselves and by telling our stories in our own words“ (Moraga/Anzaldúa 1983: 23).

32 Norma Alarcón erklärt, dass die Theoriebildung in dem von Cherrie Moraga und Gloria Anzaldúa herausgebrachten Werk „This Bridge called my back“ (1983) mit Beiträgen verschiedener Feminismen of Color[14] es ermöglicht, ein theoretisches Subjekt zu schaffen, welches es erlaubt, Subjektivität als relational und als Produkt einer Vielzahl von Strukturen, Praktiken und Diskursen zu denken. Mittels dieser Perspektive war es schließlich möglich, Allianzen zwischen den verschiedenen Feminismen of Color herzustellen (vgl. Alarcón 2001: 404–413).

33 Was trägt nun diese historische Abhandlung zur Beantwortung der Frage nach der Zirkulation des Intersektionalitätskonzeptes in den lateinamerikanischen Gender Studies bei?

34 Erstens können wir aus der differenzierten Annäherung an die Genealogie des Intersektionalitätskonzeptes lernen, dass dieses spezifische Konzept nicht das einzige ist, mit dessen Hilfe die Gender Studies eine Konzeptionalisierung von Differenzen, Unterdrückungen und Ungleichheiten vorangebracht haben. Zweitens können wir davon ausgehen, dass die Vorherrschaft eines bestimmten Konzeptes in einer Debatte dazu führen kann, dass die Zirkulation alternativer theoretischer Annäherungen, die aber sehr fruchtbar sein können, behindert wird. Dies wird beispielsweise am Fall des Border Feminism deutlich, der aus einer Theoriebildung von Chicana-Frauen entstanden ist, die auf den von Gloria Anzaldúa in ihrem Werk „Borderlands/La Frontera. The New Mestiza“ (1987) entwickelten Konzepten sowie Beiträgen feministischer Chicanas (Norma Alarcón, Chelka Sadoval, Sandra Cisneros, María Lugones) basiert. Diese Theoriebildung stellt eine Position dar, die nicht nur Subjektkonstruktionen auf der Grundlage multipler Dimensionen von Unterdrückung und Widerstand reflektiert, sondern auch den unterschiedlichen Bedingungen Rechnung trägt, unter denen Praktiken entstehen, die den Aktionsradius derjenigen erweitern kann, die sich politisieren, um die Gesellschaft zu verändern (vgl. Kron et al. 2011: 14–15, Alarcón 2003: 404–413). Drittens befähigt sie dazu, Probleme bei der Wissenszirkulation zu identifizieren. Dabei geht es nicht nur darum, die Formen der epistemologischen Hindernisse zu identifizieren, sondern auch die jeweiligen Verhandlungsstrategien, die Teil des Prozesses des Übersetzens von Konzepten, Kategorien und Paradigmen sind. Viertens bietet sie Werkzeuge, um asymmetrische Strukturen innerhalb der feministischen Strömungen zu diskutieren, die Ausgrenzungen subalterner Positionen bewirken können, so wie es in Lateinamerika, beispielsweise bei Frauen indigenen oder afrikanischen Ursprungs, der Fall sein kann.

35 Die Skizze einer Kartographie des Intersektionalitätskonzeptes in Lateinamerika muss also die grundlegende Problematik, die das Konzept behandelt, berücksichtigen und eine Topologie entwickeln, die der Vielschichtigkeit der Analysekategorien, die in den Gender Studies mit dem Konzept der Intersektionalität verknüpft werden, Rechnung trägt.

2.1 Intersektionalität/Überlappung (imbricación)

36 Es existiert eine weiter gefasste Debatte, innerhalb derer das Intersektionalitätskonzept zirkuliert. Sie teilt dieselben Narrative, die das Konzept mit dem Schwarzen Feminismus verknüpft. Diese Narrative lassen sich in die subalternen und die postkolonialen Studien einordnen. Im Gegensatz zur gängigen Praxis in Europa und weiteren Regionen des Globalen Nordens, werden in diese breitere Debatte die Positionen postkolonialer Perspektiven bis hin zu denen der Frauenbewegungen of Color (Schwarze und Chicanas) einbezogen.[15] Es besteht ein besonderes Interesse an der Intersektion zwischen race, Gender, Klasse und Sexualität und es werden Analysekategorien vorgeschlagen, die das Intersektionalitätskonzept ersetzen. Zudem beinhaltet diese Debatte eine Kritik an den hegemonialen lateinamerikanischen Feminismen, die Positionen nicht-hegemonialer Frauengruppierungen wie die der indigenen und afro-lateinamerikanischen Frauen ausschließt und stellt Genealogien der Intersektionalitätsdebatten auf.

37 Ein Beispiel für ein solches Unterfangen findet sich bei der dominikanischen Feministin Ochy Curiel, die versucht, das feministische Denken in Lateinamerika zu Gunsten einer antirassistischen feministischen Bewegung der Lateinamerikanerinnen afrikanischen Ursprungs zu dekolonisieren (vgl. Curiel 2008: 39). Curiel erinnert uns in ihren Ausführungen an die Wichtigkeit des Intersektionalitätskonzeptes, wie es zuallererst von Kimberlé Crenshaw eingeführt wurde, distanziert sich aber gleichzeitig von ihm, da sie es als willkürlich und auch einschränkend empfindet. Sie befürchtet, dass das Konzept in seiner bestehenden Form geradezu dazu einlädt, falsch interpretiert oder sinnentleert zu werden: Die Intersektionalität wird heutzutage oft in Einzigartigkeiten, Sektionen, verbundenen Einzelteilen oder einfach funktional als ‚Additionsmaschine‘ gedacht (Curiel 2008: 39).

38 Um solche Gefahren und Grenzen des Konzeptes zu verringern, schlägt Curiel in Anlehnung an die Kritik am Intersektionalitätskonzept von Brah und Phoenix (2004)[16] vor, das Konzept der „Überlappung“ (imbricación) zu verwenden, um die Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Kategorien sowie die Präsenz bestimmter Systeme der Dominanz und Unterdrückung im Leben vieler Frauen analysieren zu können (vgl. Curiel 2008: 40). Curiel kritisiert jegliche Form homogenisierenden Nationalismus und verschafft sich mit Hilfe ihrer kritischen Interventionen innerhalb des Black Feminism Gehör. Sie hebt die Beiträge lateinamerikanischer Frauen afrikanischen Ursprungs sowie aus der Karibik (Leila González, Jurema Wernerck und Sueli Carneiro) hervor, um kolonialistische Positionen innerhalb der Frauenbewegungen zu denunzieren und den Widerstand derjenigen Frauen, die in der Kolonialzeit versklavt wurden, sichtbar zu machen. Curiel sucht nach Wegen, um die bestehende Distanz der akademischen Auseinandersetzung mit Feminismus und den sozialen Bewegungen zu verringern. Durch diese theoretischen Debatten konnten sich zwar Räume öffnen, ausgehend von einer kritischen Reflexion, bleiben diese Räume – so konstatiert sie – jedoch meist weiterhin in elitären, häufig noch androzentrischen Positionen verhaftet und werden von weißen und mestizischen Frauen und Männern dominiert. Vorschläge von Frauen, besonders von denen, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder ethnischen Herkunft Diskriminierungen ausgesetzt sind, werden im akademischen Kontext weder wahrgenommen noch wertgeschätzt (vgl. Curiel 2008: 50–51).

2.2 Intersektionalität/Ungleichheiten

39 Eine weitere Debatte hat sich in Lateinmamerika seit den 1990er Jahre entwickelt und arbeitet mit dem Paradigma der sozialen Exklusion (exclusión social), wobei eine antiessentialistische Position, ausgehend vom Aktivismus marginalisierter Feminismen (afrolateinamerikanische und indigene Perspektiven), eingenommen wird. Es hat seine Ursprünge in den postkolonialen und subalternen Studien und bezieht sich nicht auf das Intersektionalitätskonzept, auch wenn es eben diejenigen Aspekte diskutiert, die das Konzept beinhaltet. Dieses Paradigma formuliert drei Prämissen: Geschlechterbeziehungen müssen in einen (historischen) Kontext gesetzt werden, um einen feministischen Universalismus zu verhindern, Kultur muss als historischer Prozess verstanden werden, um kulturelle Essentialisierungen zu vermeiden, und die Eingebundenheit sozialer Bewegungen in globale Prozesse kapitalistischer Dominanz muss Beachtung finden (vgl. Hernández Castillo 2003: 22–27).

40 Diese Position wurde von der mexikanischen Feministin Rosalva Aida Hernández Castillo formuliert, die Praktiken und Politiken analysiert, die zur Exklusion indigener sowie afro-lateinamerikanischer Frauen in den Repräsentationen feministischer Bewegungen in Lateinamerika führen. Ziel ihrer Arbeit ist es, zu dekonstruieren, wie und warum bestimmte Merkmale (und nicht andere) als repräsentativ für eine Kultur oder essentiell für eine Identität identifiziert und dementsprechend für die Herstellung von Asymmetrien und hierarchischen Machtbeziehungen genutzt werden (vgl. Hernández Castillo 2008: 93). Die Grundidee eines intersektionalen ‚Blickes‘ wird hier im Sinne Gloria Anzaldúas[17] formuliert, um somit einen postkolonialen Feminismus der Differenz zu konstruieren, der weder Exklusionen noch Marginalisierungen bestimmter Frauengruppen vornimmt.

2.3 Güeras[18] und Prietas[19] als epistemologische Metapher

41 Eine ganz andere Position wird in diesem Zusammenhang von Marisa Belausteguigoitia eingenommen, die mit dem Konzept der epistemologischen Metapher Güeras und Prietas arbeitet, welche auf die Ausführungen von Gloria Anzaldúa und Cherrie Moraga in „This Bridge called my Back“ zurückzuführen ist. Auch sie benennt das Konzept Intersektionalität nicht in ihrer Arbeit. Ihre Überlegungen entwickelt sie in einem theoretischen Dialog mit dem Chicana-Feminismus.

42 Im Abschnitt „Theory in the Flesh“ von „This Bridge“ benutzt Moraga den Körper als Ausgangspunkt für die Wissensproduktion über Mehrfachunterdrückung (Moraga 1983: 34) und in dem Abschnitt über die „linkshändige Welt“ entwickelt Anzaldúa mit Hilfe der queeren Prieta-Sprache, „that don’t belong anywhere“ (Anzaldúa 1983: 209) einen epistemischen dritten Raum. Von diesem aus ist es möglich, die hegemoniale Rationalität sowie das Patriarchat und die Heteronormativität zu kritisieren. Er ist zudem offen für Verhandlungen mit anderen Positionen, die in der Lage sind, neue Allianzen und Brücken zu schaffen. Belausteguigoitia analysiert mit dieser Metapher „wie man mit der Haut spricht“, „welche Tonalitäten sie erschafft“ und „welche Kreise die Töne der Haut und der Stimme ziehen“ (vgl. Belausteguigoitia 2009: 7). Sie entwickelt gleichzeitig einen theoretischen Vorschlag zur Untersuchung der Entstehung verschiedener Formen der Diskriminierung sowie der Allianzenbildung verschiedener Subjekte, denen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität oder ihrer Klasse eine bestimmte Position innerhalb des hierarchischen Systems zugewiesen wird. Sie nutzt diese Theorie ebenfalls, um Formen des Widerstandes gegen die Differenz, die zu Ungleichheit führt (vgl. Belausteguigoitia 2009: 7), zu artikulieren. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist die Stärkung von Allianzen zwischen Gender Studies und dem feministischen Aktivismus (siehe auch Melgar 2009: 59–72, Sauri Riancho 2009: 81–86).

2.4 Intersektionalität/multidimensionale Interdependenzen/soziale Ungleichheiten

43 Auch außerhalb der postkolonialen und subalternen Studien finden sich im lateinamerikanischen Feminismus Positionen, die methodologische Herangehensweisen suchen, die es erlauben, multidimensionale Interdependenzen zwischen den Dimensionen Ethnie, race, Geschlecht und Klasse im Kontext sozialer Ungleichheiten aufzuspüren und zu verstehen. Als Grundlage dieses Paradigmas steht die Identifizierung neuer Räume der politischen Auseinandersetzung innerhalb sozialer Bewegungen, die das pluriethnische und multikulturelle Panorama in den lateinamerikanischen Gesellschaften seit den 1990er Jahren möglich gemacht haben. Zudem berücksichtigt das Konzept die negativen Effekte der Implementierung neoliberaler Politik im Kontext von Strukturanpassungen, die die soziale Sicherheit von Seiten des Staates reduzierten und so eine wachsende sozioökonomische Ungleichheit bewirkten. Nicht zuletzt wird ein besonderes Augenmerk auf die, jeder Gleichstellungspolitik und gesamtgesellschaftlich übergreifenden Präsenz des Themas zum Trotz, gleichbleibende Ungleichheit der Geschlechter gelegt (vgl. Viveros Vigoya 2004: 170–194).

44 Innerhalb dieses Paradigmas existieren unterschiedliche Strömungen. Einige arbeiten durchaus mit dem Intersektionalitätskonzept (Gil Hernández 2008: 485–512, Viveros Vigoya[20] 2009: 63–819), aber in den meisten Fällen werden andere Analysekategorien wie Inklusion/Exklusion, soziale Kohäsion, Gleichheit/Ungleichheit, Diskriminierung und weitere mehr bevorzugt. Auf dieser Ebene theoretischer Reflexion und empirischer Untersuchungen finden sich Studien zu Ethnizität und ‚Rassifizierung‘ der Sexualität ebenso wie zu Sexualisierung von race und Ethnizität (Wade/Urrea Grialdo/Viveros Vigoya 2008; Moutinho 2008: 103–116, Viveros Vigoya/Rivera/Rodriguez 2006, Keampadoo 2004, Congolino Sinisterra 2008: 317–342). Zudem existieren unter diesem Paradigma Untersuchungen zu Ungleichheit und Diskriminierung im Arbeitsmarkt (Valenzuela/Rangel 2004) und Analysen zu sozialer Exklusion im Bildungsbereich (Fuentes Vásquez 2006).

45 In all diesen Untersuchungen wird eine theoretische Grundlage entwickelt, die die starke Verknüpfung von Beziehungen und Bedeutungszuweisungen der Kategorien Gender, race, Ethnie und Klasse untermauert. Mittels dieser Theorie erklären zu können, in welcher Form soziale Gruppen gleichzeitig verschiedene Formen der Unterdrückung, basierend auf unterschiedlichen aber durchweg präsenten Herrschaftsstrukturen, erleben. Die Autor_innen stellen sich die Frage nach den verschiedenen Mechanismen, in denen Ungleichheiten simultan auftreten und wollen dabei hervorheben, dass indigene und afro-lateinamerikanische Personen in lateinamerikanischen Gesellschaften marginalisierter sind und einen begrenzteren Zugang zu materiellen und symbolischen Ressourcen haben als andere Staatsbürger_innen (vgl. Valenzuela/Rangel 2004: 15).

46 Ein interessantes Anwendungsbeispiel findet sich in der Analyse von Sexualität und Intersektionalität von Franklin Gil Hernández. Auf der Grundlage der Untersuchungen von Mara Viveros Vigoya entwickelt er ein Analysemodell zur Betrachtung sozialer Ungleichheiten, das es ihm erlaubt, bestimmte präsente Kategorien (Gender, race, Klasse, Sexualität) in spezifischen Kontexten auf die Arten der Beziehungen zu fokussieren, die ein spezifisches Problem hervorbringen und für den Moment, wenn es angebracht erscheint, eine Analysekategorie aufgrund der Spezifität einer Problematik in den Vordergrund stellen zu können (vgl. Gil Hernández 2011: 98). Die zentrale Frage seiner Untersuchung zielt darauf ab, herauszustellen, wie theoretische Untersuchungen zu Intersektionalität in strategische Überlegungen übertragen werden können, die in staatliche Politiken einfließen sollen. Er kommt hierbei zu dem Ergebnis, dass die Problematik der Intersektionalität nicht immer adäquat in politische Kontexte übersetzt werden kann, da Unterschiedlichkeiten auf sehr unterschiedliche Weisen verstanden werden können. Für Gil Hernández beruhen die Reflexionen über Intersektionalität auf einem Analysemodell zu sozialen Ungleichheiten, wohingegen die staatliche Politik meistens identitätsbezogen agiert und nicht in der Lage ist, soziale Ungleichheiten auf Identitätsbildungsprozesse zu übertragen.

2.5 Intersektionalität/Multikulturalismus

47 Die letzte Debatte der lateinamerikanischen Gender Studies, die ich präsentieren möchte, hat sich seit Beginn der 1990er Jahre entwickelt und kreist um das Konzept des Multikulturalismus, innerhalb dessen ebenfalls die Intersektionalitätsproblematik präsent ist, selbst wenn diese nicht immer explizit so benannt wird. Als wichtige Referenz dient vorrangig die Rezeption der feministischen Kritik am Multikulturalismuskonzept von Nancy Fraser und Iris Marion Young. Diese im lateinamerikanischen Raum wichtige Debatte wurde vor allem im Kontext der politischen Mobilisierung von Frauen afrikanischen und indigenen Ursprungs sowie lateinamerikanischen und karibischen Lesben geführt (vgl. Curiel 2007: 98–99). Soziale Bewegungen, die seit den 1980er Jahren unterschiedliche Identitätsbildungskonzepte fokussierten, haben es erreicht, die Ideologie der Mestizaje[21] erfolgreich zu hinterfragen. Darüber hinaus haben sie auch die Anerkennung kultureller Differenz, vor allem wenn sie im Zusammenhang mit Ungleichheit und Ungerechtigkeit steht, zum Diskussionsthema gemacht. Es ist ihnen gelungen, eine Perspektive in die Diskussion einzubringen, die die Überschneidung verschiedener Unterdrückungsmechanismen fokussiert. Auf dieser Grundlage werden offizielle Bezeichnungen wie „multikulturelle Staatsbürger_innenschaft“ (ciudadanía multicultural) hinterfragt und eine Kritik an normativen Perspektiven, die geschlechtsspezifische Gewalt gegen bestimmte Subjekte legitimieren, sowie an ethnozentrischen Perspektiven hegemonialer Frauenbewegungen geübt (Radcliffe 2008, Canessa 2008, Hernández Castillo 2001, Espinosa Miñoso 2009). Mara Viveros Vigoya sieht in der offiziellen Definition des Multikulturalismus die Gefahr, dass eine institutionalisierte Form des Verständnisses von Unterschiedlichkeiten etabliert wird, d.h. dass alle Differenzen, unbedeutend ob mit einem Bezug zu Sexualität, Ethnie oder race, sowie zu Gender oder körperlicher und/oder geistiger Beeinträchtigung, unter der sogenannten Diversität egalisiert werden oder eine ad hoc konstituierte gemeinsame Kategorie der „verwundbaren Bevölkerungsgruppen“ geschaffen wird, durch die alle Diskrepanzen, die sich zwischen ihnen aus diversen Unterschiedlichkeiten ergeben können, ausgelöscht werden (vgl. 2009: 79).

3. Das Intersektionalitätsparadigma in der Implementierung des Gender Mainstreaming

48 In den letzten Jahren hat das Intersektionalitätsparadigma auch Eingang in die Menschenrechtsdebatte innerhalb von Nichtregierungsorganisationen gefunden und wurde in die Resolution E/CN.4/2002/L.59 aufgenommen, um Frauenrechte im System der Vereinten Nationen zu verankern. Diese Resolution betont nicht nur, dass durch Gender als Querschnittsaufgabe das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit erreicht werden soll, sondern sie erkennt auch die Wichtigkeit der Analyse multipler Unterdrückungsmechanismen an: „The importance of examining the intersection of multiple forms of discrimination, including their root causes, from a gender perspective, and their impact on the advancement of women and the enjoyment by women of their human rights, in order to develop and implement strategies, policies and programmes aimed at the elimination of all forms of discrimination against women.“ (United National Press Release 2002: ohne Seitenangabe)

49 Diese Resolution der Vereinten Nationen hat dazu beigetragen, dass das Paradigma größere Verbreitung findet, auch wenn es bisher nicht so einfach Eingang in und Ausbreitung innerhalb anderer Felder wie dem der Menschenrechte findet. Den Weg des Intersektionalitätskonzeptes in Projekten zur Implementierung von Gender Mainstreaming nachzuzeichnen ist weitaus schwieriger, als diesem innerhalb der Gender Studies zu folgen, denn im letztgenannten Fall kann eine Durchsicht der theory brokers (Costa) sowie den Relais (Lettow/Zapata Galindo) wie Verlage, Zeitschriften, Gender Studies Programme an den Universitäten[22] sowie internationaler Kongresse erfolgen.

50 Im Fall von Projekten, die in unterschiedlichen Ländern Geschlechtergerechtigkeit implementieren wollen, sind die Wege, über die die theoretischen Paradigmen sowie auch die methodologischen Werkzeuge zirkulieren, nicht einfach zu dokumentieren: Innerhalb der internationalen Zusammenarbeit existiert ein institutioneller Komplex, in dem internationale Organisationen, Regierungsinstitutionen, private Entwicklungsorganisationen, Geldgeber, Trainings- und Forschungszentren, Organisationen der Zivilgesellschaft, Beratungsfirmen der internationalen Zusammenarbeit, Informationslieferant_innen etc. zusammenkommen- und arbeiten. Sie alle tragen dazu bei, dass bestimmte Instrumente sowie Paradigmen größere Verbreitung finden.

51 Bei dieser Vielzahl von Institutionen wurden nur die einflussreichsten, wie zum Beispiel die Vereinten Nationen, die Europäische Union, die Weltbank, der Internationale Währungsfond, die Organisation Amerikanischer Staaten sowie nationale Entwicklungshilfeorganisationen, die immer wieder materielle und symbolische Ressourcen zur Entwicklung liefern, weitergehend untersucht.

52 In Lateinamerika hat die Interamerikanische Frauenorganisation (CIM) der Organisation der Amerikanischen Staaten in ihrem konzeptionellen Rahmen festgelegt, dass die Geschlechterverhältnisse intersektional sind und auch in anderen sozialen Beziehungen wie der Arbeit, der Ethnizität, der Nationalität, der Religion und der Generationen implizit sind (vgl. CIM Programa 2000: ohne Seitenangabe). Unter ihren wichtigsten Empfehlungen findet sich die Unterstützung eines regionalen Austausches von Politiken, Instrumenten und Werkzeugen und in ihrem Aktionsplan raten sie, Fortschritte bei der Gleichstellung zum Beispiel durch Berichte zu dokumentieren.[23]

53 Die Anstrengungen der Organisation Amerikanischer Staaten, der Interamerikanischen Frauenorganisation sowie der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL), die Gleichstellungspolitik angemessen zu koordinieren, haben jedoch nicht dazu geführt, dass Modelle für Gender Mainstreaming etabliert werden konnten. In den meisten Dokumenten finden sich lediglich Analysen statistischer Daten und praktische Hinweise. Die CEPAL hingegen verbreitet in ihren Berichten wichtige konzeptuelle Paradigmen in der Region. Im Fall der Gleichstellung der Geschlechter hat sich die CEPAL allerdings nicht am Intersektionalitätsparadigma, sondern an demjenigen der sozialen Ungleichheit orientiert (Informe 2011: ohne Seitenabgabe). Die Vereinheitlichung dieses Prozesses wird in Lateinamerika auch dadurch verhindert, dass jeder Staat Gleichstellungspolitik in Anbetracht seiner eigenen materiellen Möglichkeiten und mit Hinblick auf nationale Prioritäten fördert. Mangelnde Abstimmung und Ungleichzeitigkeiten unter den lateinamerikanischen Staaten erschwert das Vorankommen zusätzlich.

54 Wenn wir betrachten, welche Versuche unternommen wurden, Gleichstellungsprojekte ‚von unten‘ zu implementieren und wir dabei ein besonderes Augenmerk auf feministischen Aktivismus legen, wird es wesentlich komplizierter, gemeinsame Muster auszumachen, obwohl die Weltfrauenkonferenzen der Vereinten Nationen eine wichtige Rolle im Austausch und in der Zirkulation von Wissen, Werkzeugen und Methoden gespielt haben. In ihrer kritischen Analyse der feministischen Treffen lateinamerikanischer und karibischer Frauen stellt Sonia Alvarez heraus, wie wichtig diese Begegnungen sowohl für die Diskussion unterschiedlicher Positionen innerhalb der feministischen Bewegung als auch für die Bildung transnationaler, sozialer Netzwerke, die einen positiven Einfluss auf die lokale Ausgestaltung internationaler Prozesse haben, sind. Álvarez stellt zudem heraus, dass große Schwierigkeiten bei der Aneignung und Übertragung der Logik eines transnationalen Feminismus auf ein lokales Niveau bestehen, da die verschiedenen politischen Perspektiven der unterschiedlichen Frauenbewegungen nicht alle vereint werden können (Álvarez 2001: 51–80).[24]

55 Zwischen den Bewegungen ‚von unten‘ und den internationalen Abkommen und Rechtsprechungen, die in den Ländern ‚von oben‘ einwirken, befindet sich die Welt der Berater_innen und Akademiker_innen, die sich mit der Genderthematik befassen und für internationale Organismen zur Implementierung des Gender Mainstreaming arbeiten. Somit wird das Gebilde der involvierten Bereiche komplexer, denn auch diese Expert_innen besitzen unterschiedliche Hintergründe und arbeiten auf der Grundlage diverser konzeptioneller Herangehensweisen in Bezug auf Gender Mainstreaming.

56 2008 fand die 5. Versammlung der Bürgermeister_innen Zentralamerikas, Mexikos und der Karibik der Union der Iberoamerikanischen Hauptstädte zum Thema „Die Anwendung staatlicher Politik für die Förderung für gleiche Zugänge“ statt, die von deren Gleichstellungskomitee Mexiko organisiert wurde, an der Bürgermeister_innen aller iberoamerikanischen Hauptstädte sowie Vertreter_innen von Nichtregierungsorganisationen und eine Reihe Genderexpert_innen teilnahmen. Dort konnte ich feststellen, dass die grundlegenden Perspektiven auf das Genderkonzept so variabel und divers sind, dass ein Konsens lediglich auf der Ebene von sozialer Ungleichheit und politischen Ausschlussmechanismen zustande kommen konnte. Selbst bei Themen, bei denen es einen Konsens zu geben scheint, wie beispielsweise beim Thema Gewalt gegen Frauen, scheiden sich die Geister in dem Moment, in dem die Gesetze zu solchen Themen verabschiedet werden sollen.[25]

57 Ein weiteres Hindernis für die Entwicklung des Gender Mainstreamings besteht durch die Schaffung von Fraueninstituten und -ministerien von Seiten lateinamerikanischer Regierungen, die somit eine zentralisierte Kontrolle über die Mittel sowie die Prozesse der Implementierung ausüben wollen. Die Existenz einer solchen Kontrollinstanz garantiert jedoch nicht, dass die entwickelten Leitfäden und Werkzeuge auch von denjenigen genutzt werden, die Projekte entwickeln und Gleichstellungspolitik fördern. Im Gegenteil verschwenden die Institutionen kaum einen Gedanken an die konzeptionellen Grundlagen solcher Materialien, da ihre Handlungsmotive im Allgemeinen politischer Natur sind.

58 Aus den von mir zusammengetragenen Materialien zum Gender Mainstreaming lässt sich schwerlich ein einheitliches Bild konstruieren, doch ihre Sichtung lässt einige interessante Beobachtungen zu:

  • Unabhängig davon, ob das Konzept Intersektionalität in den Abhandlungen zum Thema Gender in der Entwicklungszusammenarbeit eine Rolle spielt, wird stets empfohlen, dass die intersektionalen Variablen von Gender (race, Ethnizität, Klasse, Sexualität, sozialer Status, kulturelle Identität etc.) Berücksichtigung finden sollten (vgl. Strzelecka 2009: 112).
  • In Projekten zum Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Armut kommt der Intersektionalität eine Schlüsselrolle zum Verständnis von Mehrfachdiskriminierung zu (Muñoz Cabera 2011, COFEMUN 2005, Carneiro 2005). In einigen Handreichungen, Dokumenten sowie Arbeitsmaterialien von Gendernetzwerken wurde Intersektionalität auch als zentrales Konzept im wirtschaftlichen Bereich gesehen. Als wichtige Beispiele für solche Netzwerke sollen hier das Netzwerk afro-lateinamerikanischer, afro-karibischer und diasporischer Frauen (Rivera Lassén 2010) sowie die internationale Organisation GenderAction genannt werden (Rooke/Limbu 2009).
  • Auch im Bereich Rassismus hat das Intersektionalitätskonzept inzwischen einen hohen Stellenwert in Bezug auf die Herausforderungen im Kampf gegen rassistische Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit eingenommen (Declaración 2006).

59 Ebenso existieren aber viele Bereiche, in denen intersektionale Perspektiven noch überhaupt keinen Einzug gefunden haben. An lateinamerikanischen Universitäten gibt es unterschiedliche Projekte zum Gender Mainstreaming, die es sich zum Ziel gemacht haben, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen universitären Ebenen voranzutreiben. Nichtsdestotrotz zeigen die Auswertungen der Implementierungsprozesse von Gleichstellungsprojekten an zwölf lateinamerikanischen Hochschulen, an denen Gender Studies Institute oder Programme existieren, dass Intersektionalität in aktuellen Projekten nicht von Bedeutung ist, selbst wenn die Problematik selbst, auf die das Konzept abzielt, in die konzeptionellen Rahmen der Maßnahmen eingeschrieben ist.[26]

Schlussfolgerungen

60 Der dargebotene Überblick über die diversen Perspektiven und Repräsentationen des Intersektionalitätskonzeptes erlaubt es uns trotz allem nicht, eine definitive Antwort auf die Eingangsfrage dieses Artikels zu geben, warum das lateinamerikanische akademische Feld in der Intersektionalität kein Schlüsselkonzept zur Erklärung von Phänomenen sieht, die in Zusammenhang mit Geschlechterbeziehungen stehen. Darüber hinaus ist es auch nicht möglich, eine vollständige Übersicht über die verschiedenen Pfade der Wissenszirkulation in Bezug auf das Intersektionalitätskonzept zu liefern.

61 Die bis hierher dargestellten Ergebnisse ermöglichen aber doch die These, dass das Intersektionalitätsparadigma in Kolumbien wie auch in Brasilien nicht nur kurzfristig zirkulierte, sondern tatsächliche Spuren in einigen Debatten der Gender Studies hinterlassen hat, ohne jedoch einen hegemonialen Charakter zu erlangen, wie dies im englischsprachigen Raum der Fall ist. Zudem lässt sich feststellen, dass die Zirkulation des Konzeptes in den restlichen Ländern Lateinamerikas begrenzt ist, eher fragmentiert verläuft und zudem selten mit anderen wichtigen Konzepten, Debatten und Perspektiven in Verbindung gebracht wird, obwohl die Problematik auf die das Intersektionalitätsparadigma anspielt, in der theoretisch-methodologischen Reflexion immer präsent ist. Als weiteres Ergebnis soll hier festgehalten werden, dass die theoretischen Bezüge, die bei einer Lektüre des Intersektionalitätsparadigmas herangezogen werden, jeweils mit den Begebenheiten und Strukturen der lokalen feministischen Bewegungen in Zusammenhang stehen. An den Orten, an denen eine starke afro-lateinamerikanische Bewegung präsent ist, existieren auch starke Bezüge zur Schwarzen Bewegung. In Regionen, in denen die indigene Bewegung sehr präsent ist, wird in einem postkolonialen Rahmen eine Theoretisierung seitens der Chicana-Bewegung vorangetrieben.

62 Die bis hierhin getätigten Vorbetrachtungen ermöglichen nun die Formulierung einer These, die die Wichtigkeit der Wissenszirkulation in einem von Asymmetrien geprägten System und die Relevanz einer Internationalisierungsstrategie für die Gender Studies und das Gender Mainstreaming herausstellt.

63 Zuallererst konnten wir feststellen, dass auch die Internationalisierung des Wissens geprägt von Asymmetrien zwischen den verschiedenen Orten der Wissensproduktion ist. Die Kartographie der Zirkulation von Paradigmen, Theorien und Konzepten, die im Zusammenhang mit der Gendertheorie stehen, zeigt eine Konzentration von Theoretiker_innen in den Ländern des Globalen Nordens, allen voran in den USA, Frankreich und Spanien. Trotzdem konnten die Gender Studies in Lateinamerika neues Wissen generieren, indem sie sich kritisch mit eben jenen Debatten auseinandersetzten, die in den Globalen Süden getragen wurden. Aufgrund der bestehenden Asymmetrien und Machtverhältnisse, die die Wissenschaftslandschaft prägen, zirkuliert das lateinamerikanische Wissen jedoch selten in die wissenschaftlichen Zentren des Globalen Nordens und dasjenige Wissen, welches in den Kanon eindringt, erhält doch nicht den gleichen Status, den die dominanten Gendertheorien genießen dürfen.

64 Weiterhin lässt sich beobachten, dass sich in den letzten Jahren feministische Süd-Süd-Beziehungen auf wissenschaftlicher Ebene, vor allem zwischen denjenigen Ländern, denen momentan in den Theorien der Internationalen Beziehungen besondere regionale Macht[27] zugeschrieben wird (besonders zwischen Brasilien, Indien und Mexiko), entwickelt haben. Diese stehen im Zusammenhang mit postkolonialen, feministischen Debatten, die keinen Eingang in die US-amerikanischen Forschungszentren finden, in denen lateinamerikanische Intellektuelle aber bereits einen gewissen Platz gefunden haben. Dieses Phänomen ist neu und wurde bisher noch nicht speziell untersucht.

65 Ein drittes Ergebnis dieser Betrachtung bezieht sich auf die Besonderheit der Theoriebildung im lateinamerikanischen Feminismus. Diese trägt nämlich nicht nur dazu bei, zu erklären, warum einige Debatten von Nord nach Süd zirkulieren, sondern zeigt auch die Wissensmodelle auf, mit Hilfe derer diese Debatten von der globalen auf eine lokale Ebene übertragen und wieder in neues Wissen umgewandelt werden.

66 Die lateinamerikanische feministische Theoriebildung ist direkt mit den sozioökonomischen und politischen Problemen, mit denen die lateinamerikanischen Gesellschaften zu kämpfen haben, verbunden und ist gleichzeitig verknüpft mit den sozialen Bewegungen und weiteren Akteur_innen der Zivilgesellschaft. Epistemologisch bedeutet dies also, dass diese theoretischen Konfigurationen von einer empirischen Dimension geprägt sind und immer mit den spezifischen sozioökonomischen und politischen Herausforderungen lateinamerikanischer Länder in Verbindung stehen.

67 Außerdem lässt sich feststellen, dass die Wissenszirkulation in den Gender Studies von epistemologischen Brüchen geprägt ist, die den Verlust des politischen Potentials des Konzeptes belegen. Dies passiert, da „any concept carries within itself a long genealogy and a silent history that, transposed to other topographies, may produce unanticipated readings“ (Costa 2006: 71).

68 Zum Schluss möchte ich herausstellen, dass in den lateinamerikanischen Gender Studies eine starke Beziehung sowie ein ständiger Austausch zwischen dem akademischen Feld und der feministischen Bewegung bestehen, die eng mit sozialen Kämpfen in Verbindung stehen, von Untersuchungen aber bisher kaum wahrgenommen wurden. Der Wissensaustausch zwischen den Frauenbewegungen und der Akademie birgt zwar ein gewisses Konfliktpotential, wird aber durch Prozesse der Internationalisierung positiv vermittelt. So gelingt es, Brücken zwischen den verschiedenen Frauenbewegungen zu bauen, über unüberwindbar scheinende Asymmetrien hinweg. Das bestehende Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen der Akademie und der Unmittelbarkeit des politischen Aktivismus, die oft als epistemologisches Hindernis für theoretisch-konzeptionelle Entwicklungen in bestimmten Feldern gesehen wird, wird durch die Einsicht in die Notwendigkeit überwunden, einen gemeinsamen sozialen Akteur zu schaffen, der die Veränderung der Gesellschaft sowie die Wahrnehmung des Bedürfnisses nach einer eigenen theoretischen Auseinandersetzung und Forschung vorantreibt (Valdés, zitiert in León 2007: 39).

Anmerkungen

  1. Auch wenn das Intersektionalitätskonzept noch nicht in allen europäischen Staaten den gleichen Stellenwert erreicht hat, so ist es doch, zumindest in den Gender Studies und den Debatten der feministischen Theorie, bereits zu einem wichtigen Referenzkonzept geworden (vgl. auch die Ausführungen von Lutz et al (2011).
  2. Laut einer Studie zur Häufigkeit des Vorkommens des Begriffes Intersektionalität in Vergleich zu Ungleichheit und Multikulturalität bei spanischen Titeln oder Themen in elektronischen Quellen, Bibliothekskatalogen und wissenschaftlichen Netzwerkes (CLACO, FLASCO, CEPAL), variieren die Ergebnisse zwar auf lokaler Ebene, bleiben aber auf regionaler Ebene weitgehend gleich: Die Konzepte Ungleichheit und Multikulturalität tauchen am häufigsten auf, wohingegen der Begriff Intersektionalität, abgesehen von wenigen brasilianischen und kolumbianischen Veröffentlichungen, so gut wie gar nicht gebräuchlich ist. Die spezielle Suche in OA-Hermes (http://oa-hermes.unam.mx/oa-hermes.html) kam zu folgendem Ergebnis: Ungleichheit 1180 Einträge, Multikulturalität 257 Einträge, Intersektionalität 0 Einträge. Diese Tendenz lässt sich auch bei der Suche auf den Webauftritten der wissenschaftlichen Netzwerke (http://www.clasco.org, http://www.flasco.org und http://www.eclac.cl) wiedererkennen.
  3. Der einzige Bezug zur Intersektionalität in der „Cadernos Pagu“ findet sich in einer Übersetzung des fünften Kapitels: „Difference, Diversity, Differentiation“, ein Werk über Diaspora von Avtar Brah (London, New York: Routledge 1996: 95–127), welches in der Ausgabe Nummer 26 (Januar/Juni 2006: 330–376) veröffentlicht wurde. Die Zeitschrift zu interdisziplinären Brasilienstudien, die den Titel „Intersecções“ des gleichnamigen sozialwissenschaftlichen Postgraduiertenprogrammes trägt, wird thematisch zwar nicht zu den Gender Studies gerechnet, doch auch dort findet sich in einer Ausgabe, die sich diesem Thema widmet, keine einzige Autorin, die das Konzept Intersektionalität benutzt, auch wenn explizit die Probleme interkategorialer Beziehungen (Gender, Alter, Klasse, race) bei empirischen Studien diskutiert werden. Als einzige Ausnahme lässt sich die Zeitschrift „Estudos Feministas“ anführen, in der drei Artikel zum Thema erschienen: Ein erster Text von Claudia de Lima Costa und Eliane Ávila über Gloria Anzaldúa (Costa/Ávila 2005: 691–703), ein weiterer von Maylei Blackwell und Nadine Naber zum Intersektionalitätskonzept im Kontext der internationalen Antirassismuskonferenz in Durban 2001 (Blackwell/Naber 2002: 189–198) sowie eine Übersetzung des Dokumentes von Kimberlé Crenshaw für ein Expert_innentreffen zum Thema „rassistische Diskriminierung“, welches der Webseite der Women’s International Coalition for Economic Justice (Crenshaw 2002: 171–178) entnommen wurde.
  4. Bis dato haben elf solcher Treffen stattgefunden in Bogotá, Kolumbien (1981), Lima, Peru (1983), Bertioga, Brasilien (1985), Taxco, Mexiko (1987), San Bernardo, Argentinien (1990), Costa del Sol, El Salvador (1993), Cartagena, Chile (1996), Juan Dolio, Dominikanische Republik (1999), Playa Tambor, Costa Rica (2002), São Paulo, Brasilien (2005) und Mexiko Stadt, Mexiko (2009.) Das zwölfte Treffen wird im November 2012 in Bogotá, Kolumbien stattfinden.
  5. Als Themen für das zwölfte feministische Treffen wurden nach der Auswertung von fast 60 Fragebögen die folgenden auf die Tagesordnung gesetzt: Staatsbürgerschaft(en), Demokratie und das Bedürfnis nach einem laizistischen Staat; Sexualitäten, Rassismus, Körper und Subjektivitäten; Wirtschaftssystem, Armut und Globalisierung. Zudem wurden der Beziehung des Feminismus zu anderen sozialen Bewegungen, internen Beziehungen sowie der Autonomie feministischer Praxen gegenüber dem Staat und auch internationalen Kooperationen ein hoher Stellenwert beigemessen. Diese Themenauswahl spiegelt viele Interessen der feministischen Bewegungen sowie der Gender Studies in Lateinamerika wider, auch wenn sie sich darin nicht erschöpfen. Durch die Fokussierung auf Formen des Aktivismus sowie auf sozioökonomische, politische und kulturelle Probleme werden gerade einige theoretische Debatten in Bezug auf Konzepte und Kategorien der Gender Studies, die vor allem im akademischen Feld zirkulieren, außen vor gelassen.
  6. Das Zirkulationskonzept bezieht sich nicht nur auf unilineare Bewegungen, bei denen es einen Sender und einen Empfänger gibt, die voneinander abhängig sind. Es zielt vielmehr auf einen willkürlichen, variablen und auch zufälligen Charakter des Wissens ab, welches in verschiedene Richtungen und über diverse ‚Haltestellen‘ übermittelt wird. Auf diesem Weg finden immer wieder Anpassungen an lokalspezifische Kontexte statt, so dass das Wissen zirkulär-modifiziert zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt. Mit Hilfe des Zirkulationkonzeptes soll also dargestellt werden, dass die Weitergabe von Wissen keineswegs linear in einer Ursache-Wirkungsbeziehung, sondern immer über multiple Kontakte und schnelllebige Aneignungen funktioniert (vgl. aus Bandau/Zapata Galindo 2011: 11).
  7. Ein Beispiel dafür findet sich in der Diskussion um die theoretische Positionierung zum Genderbegriff, die beispielsweise von Simone de Beauvoir, Monique Wittig, Julia Kristeva, Luce Irigaray, Joan W.Scott, Dona Haraway, Teresa de Lauretis, um nur einige von ihnen zu nennen, vorangetrieben wurde und wird und deren theoretische Herangehensweisen über Artikel, Übersetzungen, Bücher und häufige Zitierungen Eingang in diverse Debatten gefunden haben. Es wäre interessant, die Momente und auch die exakten Kontexte nachzuvollziehen, in denen die unterschiedlichen Positionen mittels Übersetzungen Eingang in den Kanon der Gender Studies erfahren haben. Dieser Umstand wurde für den lateinamerikanischen Kontext bisher noch nicht grundlegend untersucht. Darüber hinaus finden diejenigen Texte, die in Spanien übersetzt werden, nicht zwangsläufig ihren Weg nach Lateinamerika. Ein altbekanntes Problem der lateinamerikanischen Verlage ist es dagegen, nicht über effiziente Verbreitungs- und Vermarktungsstrukturen ihrer Bücher auf dem europäischen Kontinent zu verfügen.
  8. Der Intersektionalitätsbegriff wird angesehen, als „the most important theoretical contribution that women's studies, in conjunction with related fields, has made so far“ (McCall 2005: 1771), „the 'goldstandard' multidisciplinary approach for analyzing subjects' experiences of both identity and oppression“ (Nash 2008: 2), „had become tremendously popular and was used in various UN and NGO forums“ (Yuval-Davis 2006: 194) und „has been heralded as one of the most important contributions to feminist scholarship“ (Davis 2008: 67).
  9. Auf der Internetseite http://www.intersectionality.org findet sich eine englische Bibliographie zum Thema sowie die wichtigsten Texte zum Thema, die in Frankreich und Deutschland diskutiert werden.
  10. Auch Brah und Phoenix (2004: 75–86) und Yuval Davis nehmen diese Position ein, wobei sie die kritischen Beiträge zu Paradigmen anderer Feminismen wie den karibischen, südasiatischen oder afrikanischen (vgl. Brah & Phoenix 2004: 78, Yuval Davis 2006: 194), die in Großbritannien angesiedelt sind, thematisieren.
  11. In einer internationalen Bibliographie, die Lateinamerika einbezieht, wird Kimberlé Crenshaw als Urheberin des Konzeptes im Jahre 1989 (vgl. Crenshaw 1989) benannt, wobei sie mit der Schwarzen, antirassistischen Bewegung assoziiert wird (Davis 2008: 68, Yuval-Davis 2006: 196).
  12. Chela Sandovals Materialsammlung zeigt, dass das Konzept der Women of Color zum ersten Mal Anfang der 1970er Jahre von Autorinnen wie, um nur einige von ihnen zu nennen, Janice Mirikitani (1973), Francis Beale (1971) und Velia Hancock (1970) benutzt wurde (Sandoval 1998: 356).
  13. Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Beitrag der Chicana-Feministinnen im Kontext der Cultural und der Gender Studies siehe auch Bandau 2004.
  14. Einige der Autorinnen, die in Bridge veröffentlichten: Norma Alarcón, Gloria Anzaldúa, Andrea R. Canaan, Cherríe Moraga, Rosario Morales, Judit Moschkovich, Pat Parker, Barbara Smith, Beverly Smith, Nellie Wong, Merle Woo, Mitsude Yamada.
  15. Der Black Feminism sowie derjenige der Chicanas in den USA waren zwei der radikalsten Bewegungen gegen die Auswirkungen des Kolonialismus, die unter materialistischen, antirassistischen und antisexistischen Vorzeichen gekämpft haben und starken Einfluss auf kritische Stimmen in Lateinamerika und der Karibik gewinnen konnten. Sie sollten aus diesem Grund einen stärkeren Eingang in die postkoloniale Theorie und Praxis finden (vgl. Curiel 2007: 98).
  16. Auch Adriana Piscitelli benutzt in ihrem Artikel über brasilianische Migrant_innen das Intersektionalitätskonzept in Anlehnung an Brah und Phoenix. Sie liefert darin Anmerkungen zu Kategorien, die mit vielfachen Diversifizierungen konfrontiert und in die Kategorie Gender gezählt werden.
  17. Hernández Castillo geht bei Anzaldúa von einem subversiven, rebellischen Narrativ aus, das die Häufung von Differenzierungen zwar schönredet, ohne dabei aber eine Inkompatibilität festzustellen oder sich der Idee einer Fragmentierung der Identität zu unterwerfen. Stattdessen schafft sie eine neue Identität: die Neue Mestiza (vgl. Hernández Castillo 2008: 45).
  18. Als Güeras werden im mexikanischen Kontext sowie bei den Chicanos hellhäutige, blonde Frauen bezeichnet.
  19. Die Bezeichnung Prietas wird in Mexiko mit dunklen Haaren und ‚Mestizo-Körpern‘ assoziiert.
  20. Mara Viveros Vigoya, eine kolumbianische Feministin hat das Intersektionalitätskonzept ausführlich und tiefgehend diskutiert sowie seinen Wert für Untersuchungen zu race, Gender und Klasse analysiert (Viveros Vigoya 2009: 63–81).
  21. In den letzte Jahren haben viele lateinamerikanische Staaten wie unter anderem Nicaragua, Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru, Bolivien, Ecuador und Venezuela ihre Verfassung geändert, um eine Definition als pluriethnisch oder multikulturell aufzunehmen.
  22. Heutzutage existiert an fast jeder Universität in Lateinamerika und der Karibik ein Institut oder Programm zur Geschlechterforschung (siehe Valdés 2007: 47–62).
  23. Die Aktionslinien der CIM gehen hervor aus den Anweisungen der Lateinamerikanischen Gipfeltreffen, dem strategischen Aktionsplan der CIM, dem Arbeitsprogramm der CIM, dem Aktionplan zur Beteiligung von Frauen an Machtpositionen und Entscheidungsfindungen, den Mandaten der Generalversammlung der Organisation der Amerikanischen Staaten, der Aktionsplattform von Beijing und dem regionalen Aktionsplan für Frauen aus Lateinamerika und der Karibik 1995–2001 der CEPAL.
  24. Um Gleichstellungspolitik überhaupt implementieren zu können, ist es notwendig, dass sich der feministische Aktivismus auf Verbindungen mit dem Staat einlässt und die Meinungsverschiedenheiten außen vor lässt. In Lateinamerika verteidigen Frauenbewegungen weiterhin ihre Autonomie und beteiligen sich nur marginal an Gleichstellungsprojekten. Andere Aktivist_innen befinden sich in Verhandlungen mit den politischen Parteien und den Regierungen auf der Suche nach einer konsensualen Agenda und eine dritte Gruppe widmet sich der taktischen Lobbyarbeit um auf politische Entscheidungen von Ministerien, Parlamenten und Nationalregierungen Einfluss zu nehmen (vgl. Zapata Galindo 2002: 89, Tarrés Barraza 1999: 244).
  25. In Mexiko gab es eine heftige Diskussion über die Definition von Gewalt (häuslich, familiär, zwischen Frauen, mit Genderbezug) um das Gesetz für die Garantie eines gewaltfreien Lebens für Frauen zu formulieren, welches schließlich 2007 in Kraft trat.
  26. Die in den Blick genommenen Institutionen befinden sich in folgenden Ländern: Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Chile, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Mexiko, Nicaragua, Peru, Uruguay.
  27. Vergleiche hierzu die Theorie von Andrew Hurrell 2007.

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Autorin

Martha Isabel Zapata Galindo
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lateinamerika-Institut, Interdisziplinäre Geschlechterforschung in Lateinamerika, Politikwissenschaft und Soziologie, Freie Universität Berlin

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